Die Menschen von Velohaven
WIR haben uns folgende Fragen gestellt:
- Müssen wir Eigentum erwerben, um zukünftig vor Kündigung und hohen Mieten geschützt zu sein?
- Müssen wir immer wieder umziehen und dann höhere Mieten akzeptieren, wenn sich an unserer Lebenssituation etwas ändert, z.B. wenn Kinder geboren werden oder ausziehen?
- Wie können wir selbstbestimmt, nachbarschaftlich kooperativ und möglichst nachhaltig in Freiburg wohnen, mit dauerhaft bezahlbaren Mieten, in einem urbanen Quartier?
- Wie können wir eine Hausgemeinschaft leben, die eine möglichst vielfältige und „bunte Mischung“ verschiedenster Menschen ist: Jung und alt, Familien, Paare oder Singles, erwerbstätig oder verrentet, bedürftig oder abgebend, stark oder schwach, – und dass diese Menschen untereinander solidarisch, tolerant und respektvoll sind?
- Wie finden wir für möglichst viele Menschen einen sicheren Wohnplatz, unabhängig von ihren individuellen Vermögensverhältnissen?
Die meisten von uns engagieren sich ehrenamtlich in diversen Freiburger Vereinen und Organisationen. Zusammen decken wir damit einen breiten Bereich ab, sind weit vernetzt und kooperieren mit vielen anderen Menschen und Organisationen in Freiburg. „Velohaven“ ist also viel mehr als ein „Wohn- und Fahrradprojekt“: Es ist ein umfassendes NACHHALTIGKEITSPROJEKT!
Unsere Gruppe hat am 8. Oktober 2022 den Hausverein „Velohaven e.V.“ gegründet. Er ist im Vereinsregister eingetragen. 2024 wurde Velohaven Mitglied im Verein Mietshäuser Syndikat e.V.
Unsere Velos
Gazelle „Impala“ – Fusion von Sofa und Fahrrad
Gehört Till und erinnert ihn an seine Kindheit…
Meine „Gazelle“ ist Baujahr 2015 mit einer Rahmenhöhe von 61cm. Sie ist ein Erbstück aus Oldenburg i.O., wo gefühlt alle mit Hollandrädern unterwegs sind.
Ein Fahrrad ist in Norddeutschland eigentlich immer ein „Hollandrad“! Und so erinnert es mich an meine Kinder- und Jugendzeit in Oldenburg: Bis zum Studium bin ich eigentlich gefühlt immer auf einem „Flying Dutchman“ unterwegs gewesen. Standard waren damals Torpedo-3-Gang-Nabe, Lacktuch-Kettenkasten und Mantelschoner. Dazu Radmäntel in der Farbe „cremebeige“. Und als Lenker ein geschwungenen „Hollandlenker“, der damals auch „Gesundheitslenker“ genannt wurde. Hintendran für den Einkauf kamen kastenförmige Fahrradtaschen der Marke „Haberland“ (gibts immer noch). Wir waren damals durchaus schnell mit diesen „Fietsen“ (holländisch/norddeutsch für Velo) unterwegs: Natürlich in der „Holland-Aero-Haltung“. Da brauchte man kein Rennrad mit Rennlenker, fühlte sich aber genauso schnell an!
Mein „Opa-Rad“ hat eine Shimano Nexus-7-Gang-Nabe und vorne eine Sturmey Archer Trommelbremse mit Nabendynamo. Bremse hinten: Rücktritt, was sonst!
Nutzen tun wir es als Ersatzrad und wenn Freunde zu Besuch sind: Ideal für eine Sightseeing-Tour, – auch in Süddeutschland!
Bianchi Via Nirone 7!
Gehört: Julian
Als meine Tochter geboren wurde habe ich beschlossen ich brauche ein schnelles Fahrrad an welches man eine Anhängerkupplung bekommt. Leider war unter Corona alles ausverkauft. Naja fast alles, ein Laden in Freiburg hatte das Rad gerade als Retoure zurück bekommen und damit wurden wir zusammen glücklich. Es Trägt mich nahezu jede Woche ein bis zwei mal einen Berg hinauf und auch sicher wieder herunter. Ein toller Ausgleich in stressigen Zeiten und ein guter Grund diese Stadt am Fuße des Schwarzwalds zu lieben.
T700 Fahrradmanufaktur – solider Drahtesel für Alltag und Reise
Gehört Till und ersetzte 2008 ein Hardo Wagner-Reiserad
Inzwischen ist mein T700 schon 16 Jahre alt, hat etliche Ketten, Blätter, Ritzel und Spanngummies gebraucht. Aber es ist (bisher!) nicht ernstfhaft kaputt zu kriegen: Ich hatte mehrere „ordentliche“ Stürze mit dem Rad,- immer mit Prellungen und Schürfwunden… Aber die Bremshebel sind noch original: Magura HS 33. Die Kettenschaltung ist eine Shimano XT.
Rahmenhöhe 62 cm, am Lenkervorbau ein Shifter, um die Fahrposition dem Anlass anzupassen,- mal rauf und mal runter…
Inzwischen gibt es eine Sattelfederstütze, der Sattel wechselt auch hin und her,- mal Leder-Brooks, mal Kunststoffsattel. Fürs Gepäck gibt es ordentliche Träger von Tubus.
Der Vorgänger von Hardo Wagner war eigentlich ganz schön, hatte aber nie die passende Ausstattung. Irgendwas war immer „falsch“, der Fahrradladen in Osnabrück hat „Mist“ verkauft… Und dann hat ihm das jahrelange Leben auf der Nordseeinsel zugesetzt: Salz-Sand in allen Poren und Ritzen! Ein Teil des Rahmens lebt im Tallbike „RacingGreen“ weiter… Dieses Schicksal soll dem T700 nicht ereilen, – hoffentlich fährt es noch lange!
Bullit Familienlastenrad mit speziellem Aufbau!
Gehört: Merle, Johanna und Julian
Lastenrad ohne Motor – klar geht das. Bringt und überall hin, nimmt alles mit. Wozu teure aufbauten kaufen wenn es auch ein alter Kinderanhänger tut. Das Fahrrad ist blanke Vernunft, günstig effizient und praktisch. Das Kind bleibt trocken, die Taschen passen noch ans Rad und parken kann man auch überall. Wer einmal mit Lastenrad gelebt hat, will nie wieder ohne.
Zweiter Tallbike-Versuch (Bj 2020) – Hochrad-Cruiser mit „Easy-Boarding“
Gehört: Till
Kurze Einführung zur Historie der Hochrad-Entwicklung (Lesetipp: „Der Mann auf dem Hochrad“ von Uwe Timm):
Ab 1870 gab es in England Manufacturen für Hochräder. Der Radtyp hieß „Ordinary“. Gefährlich beim Fahren waren Stürze nach vorne über den Lenker, sog. „Header“. Deswegen kamen ab 1878 modifizierte Hochräder in Umlauf: „Hohe Sicherheitsräder“, bei denen der Sattel tiefer und etwas nach hinten verlagert war. Das erste Serienmodell hieß „Xtraordinary“. Ab 1885 das „Sicherheits-Niederrad“ in Mode, der Vorläufer unserer heutigen, klassischen Fahrräder mit Schwanenhals- oder Diamant-Rahmen. Dieser Fahrradtyp wurde „Safety“ genannt und am Anfang von den Hochrad-Fahrer:innen belächelt…
Ab 1895 wurden in den größeren Städten der USA Tallbikes benutzt, um das Entzünden der Gas-Straßenbeleuchtung zu vereinfachen. Diese Fahrräder sahen aus wie zwei übereinander gebaute „Safeties“ und waren der Urtyp der heutigen „Tallbikes“. Das Originalmodell hieß „Giraffe Lamplighters Bicycle“.
Die Idee: Aus zwei „Safety“-Rahmen ein „Xtraordinary-Safety-Tallbike“ bauen, bei dem Tallbike-Fahrgefühl und die Möglichkeit eines „Not-Abstiegs“ kombiniert sind, – auch wenn man von anderen Tallbike-Fahrer:innen belächelt wird…
Herausgekommen ist meine „Giraffe“ mit 28″-Bereifung und einem eigenwilligen „Easy-Boarding-Rahmen“ der Marke „Nordsee“ 😉
Oben/vorne ein alter, klassischer Rixe-Schwanenhalsrahmen, unten/hinten ein billiger No-Name-Diamant-Stahlrahmen mit ovalen Rohren.
Tretlagerhöhe: 67 cm (normales Velo ca. 28 cm)
Kettenläge: 210 cm
Radstand: 140 cm
Sattelhöhe: 142 cm
Lackierung: Ich habe Pulverbeschichtung aus der Spraydose von Spray.Bike benutzt. Das hat auf Anhieb recht gut funktioniert, hier in der Farb-Kombi „Limehouse“ und „Bayswater.
Meine „Giraffe“ hat eine 7-Gang-Shimano-Nexus-Nabenschaltung mit Rücktrittbremse. Beleuchtung über Batterielichter. Das Tallbike eignet sich hervorragend für die gemütliche Stadtfahrt durch enge Quartiere, weil die tretende Person einen guten Überblick über parkende PKW hinweg hat, weit vorausschauend fahren kann und im Notfall trotzdem schnell Absteigen kann. Bei Überlandfahrten gefällt der Ausblick in die Landschaft…
Bullitt Clockwork mit „Bio-Motor“!
Gehört: Till
Wie die Zeit vergeht! An meinem Bullitt kann man das schön sehen: Ein Lastenrad ohne Elektromotorunterstützung zu fahren war vor einigen Jahren noch nichts Außergewöhnliches. Inzwischen ist der reine Muskelantrieb bei Lastenrädern eher selten geworden. Als ich 2014 mein Bullitt erworben habe gab es die E-Bullitt-Variante noch gar nicht! Und noch nehme ich es sportlich…
Es ist ein reines „Lastenrad“, Kinder oder andere Menschen werden nicht transportiert. Ich benutze verschieden große, eckige Mörtelwannen (60-, 90- oder 220-Liter) als Gepäckablage oder ein selbstgebautes Holzgestell, um Leitern oder Bretter zu transportieren. Bis ca. 100 kg ist eigentlich alles möglich: Waschmaschine, Weihnachtsbaum, PV-Module, Apfelernte, 3-teilige-8-Meter- Aluleiter oder Musikbox für die Critical-Mass. Aber auch ohne Last fährt es sich gut!
Als Zusatzausstattung habe ich mir den Lenkungsdämpfer und eine Sattelfederung gegönnt. Und ein „Billboard“ mit Velohaven-Werbung darf auch nicht fehlen!
Erster Tallbike-Versuch (Bj 2019) – Tallbike „RacingGreen“ – Tall Bikes will save the World!
Gehört: Till
Als die erste Welle des Corona-Virus unseren Alltag prägte sah ich zufällig die dutube-Videos von den Zenga Bros, die im mittleren Westen der der USA eine „Tall Bike Revolution“ lostraten: So ein Fahrrad brauch ich auch, – muss man aber selber bauen…
In sog. „Bike Kitchens“ schrauben und bauen seit den 70er Jahren fahrradbegeisterte Menschen coole Räder: „Freakbikes“ und Tallbikes. Bei den monatlich stattfindenden Ausfahrten, der sog. „Critical Mass“, erobern sich diese Leute für ein oder zwei Stunden einen Teil der Straßen zurück, um als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer:innen gemeinsam zu radeln (seit ca. 2005 auch in Freiburg…).
Mein persönliches Corona-Lockdown-Projekt entstand also als Übungsstück am Schweißgerät: Die Schweißnähte sehen entsprechend gruselig aus, halten aber. Als Vorbild diente ein Tallbike der Zenga Bros, das ich von einem Video-Standbild skizzierte: Hinten/schräg hochkant und am Steuerrohr verbaute ich den Rahmen meines alten Hardo Wagner-Treckingrades (BJ 1998). Oben drauf ein Diamant-Rahmen, den mir ein Bekannter dafür schenkte.
Tretlagerhöhe: 78 cm
Sattelhöhe: 154 cm
Die Ausstattung (Schaltung, Bremsen, Reifen) kommt vom alten Hardo-Wagner: Shimano Deore LX, 8-Gang-Kettenschaltung, V-Breaks und 26-Zoll-Räder. Und ein Fahrrad in der Farbe hatte ich noch nicht: Racing Green!
Und dann hat mich der Tallbike-Virus gepackt: Be a Fool!
Tout Terrain Scrambler Xplorer GT
Gehört René und hat 2021 sein altes Steppenwolf Reiserad abgelöst.
Ein Gravelbike, aufgebaut zu einem stabilen, zuverlässigen Reiserad. René war damit schon einige Monate, tausende Kilometer und vor allem viele Tausend Höhenmeter unterwegs.
Die autarke Stromversorgung durch Nabendynamo und Cinq Plug 5 macht es möglich, tagelang nur durch Muskelkraft genug Strom für Navigation, Blog-Schreiben und den einen oder anderen Podcast zu haben.
Nach über 12 000 Kilometern noch immer der erste Riemen – und sehr zufrieden damit: Wartungsarm, keine schmierigen Hände oder Kleidung und keine Schwierigkeiten, im Notfall eine*n Busfahrer*in zu überzeugen, dass das Rad im Bauch des Busses mitfahren darf 🙂
René dokumentiert seine Radreisen in seinem Blog.